Familienerbstücke

Braun Paxette, Canon Canonet QL17 G-III, Minolta XD7

Weihnachten 2013 gab es nicht nur Geschenke, sondern auch einige interessante Fundstücke. Auf der Suche nach Geschenkpapier im elterlichen Haushalt fand ich (weit unten in einem Schrank) eine alte Spiegelreflex-Kamera. Das wiederum löste weitere Suchaktionen in Keller und Dachboden aus, an deren Ende nicht weniger als 3 Kameras standen. Die Geschichten dazu reichen weit zurück.

Braun Paxette, Canon Canonet QL17 G-III, Minolta XD7
Braun Paxette, Canon Canonet QL17 G-III, Minolta XD7 (v.l.n.r.)

Braun Paxette
Mein Opa war Bergmann im Ruhrgebiet. In den 1930ern Jahren traf die Weltwirtschaftskrise auch den Bergbau und es kam zu Zechenstilllegungen und Arbeitslosigkeit, wordurch auch mein Opa für einige Zeit ohne Beschäftigung war. Um trotzdem etwas Sinnvolles zu tun, wandte er sich seiner Leidenschaft, dem Fotografieren zu. Bei einem Fotografen in Essen ging er in eine Art Lehre bzw. Praktikum. Dort lernte er das Fotografieren von Grund auf. Da er bei seinem „Lehrmeister“ auch wohnte, konnte er sich irgendwie über Wasser halten und genoss ansonsten wohl auch die Großstadt-Atmosphäre der Metropole Essen (damals mit mehr als 600.000 Einwohnern immerhin die fünftgrößte Stadt Deutschlands). Krieg und Wiederaufbau ließ weitere fotografische Ambitionen dann natürlich erst einmal in den Hintergrund treten. Die Leidenschaft aber blieb und so musste irgendwann in den 50ern eine Kamera her. Mein Opa entschied sich für eine Braun Paxette. Die Paxette war eine ab 1950 gebaute, recht kompakte Sucherkamera. Erst in späteren Modellen kamen Wechselobjektive und Belichtungsmesser dazu. Im Vergleich zu einer ähnlich ausgestatten Leica kostet sie gerade mal ein Drittel des Preises, weswegen sie auch gerne „Volksschullehrer-Leica“ genannt wurde. Bis Mitte der 60er Jahre brachte Braun verschiedenste Varianten der Paxette auf den Markt. Mein Opa hatte das erste Modell, mit fest verbautem Zeiss Tessar 50-mm-Objektiv (f 2.8). Das muss er auch häufig mitgenommen haben, zumindest erinnere ich mich noch gut an den Anblick der Kameratasche. Die Kamera ist auch noch bestens in Schuss und allein das Gewicht und die massive Verarbeitung der Teile geben einem ein ganz anderes Gefühl als die meisten „modernen“ Geräte. Man möchte sie ja schon gerne mal ausprobieren… Aber so ganz ohne Belichtungsmesser und Hiflsmittelchen ist das für Digitalverwöhnte schon eine echte Herausforderung.

Braun Paxette
Braun Paxette


Canon Canonet QL17/GIII

Deutlich einfacher hatte man es da schon mit der Canon Canonet QL17/GIII. Die muss irgendwann in den 70ern zur Familie gestoßen sein. Sie war der „krönende Abschluss“ der Canonet-Reihe, einer Serie von Messsucherkameras von den frühen 1960er bis in 1980er Jahre. Die GIII wurde mit mehr als 1,2 Mio. verkauften Geräten zwischen 1972 und 1982 sogar zu einem absoluten Bestseller. Zwar für den Massenmarkt konzipiert, war sie doch recht hochwertig gebaut und verfügte über eine automatische Sichtfeldkorrektur (Parallaxe) und Blendenautomatik. Fest verbaut wurde ein sehr lichtstarkes 40mm-Objektiv mit einer Offenblende von 1,7. Damit konnte die QL17/GIII fast schon mit der Leica CL konkurrieren, nur eben zu einem deutlich günstigeren Preis (und ohne wechselbare Objektive) auf dem Massenmarkt. Fokussieren kann man bei der Canonet mit Hilfe eines Mischbild-Entfernungsmessers, wo messsuchertypisch zwei Teilbilder übereinander gelegt werden müssen, um ein scharfes Bild zu erhalten. Bei dem nicht unbedingt hellen Sucher muss man da schon recht genau hinschauen. Das „G“ stand übrigens laut Canon für  „grade up“ (wegen der Qualitätsverbesserung gegenüber dem Vorgänger), die „III“ für das dritte Modell der Canonet-Reihe und das „QL“ für „Quick Loading“ (wegen eines Mechanismus‘ zum beschleunigten Filmwechsel) und die „17“ für die Lichtstärke des Objektivs. Das ist doch mal ein Name. Das Familienmodell ist eher so halbwegs gut erhalten. Es löst brav aus, aber das Sucherbild ist doch recht gelbstichig und zumindest die Lichtdichtungen müssten erneuert werden.  Außerdem bräuchte man eine Alternative zur Quecksilber-Batterie, die man nicht mehr kaufen kann. Also auch erst mal keine Kamera zum Ausprobieren…

Canon Canonet QL17/GIII
Canon Canonet QL17/GIII


Minolta XD7

Ganz anders da schon die jüngste Kamera der dreien, die Minolta XD7. Die wiederum war die Kamera meines Vaters für die er immerhin seine Leica verkauft hatte, welche er einige Jahre zuvor einem Freund für 650 D-Mark abgekauft hatte. Dieser nahm sie Ende der 70er immerhin für exakt denselben Preis auch wieder zurück. Mein Vater legte dann noch ein paar hundert Mark drauf und leistete sich die Minolta XD7  (UVP bei 998,- DM). Als diese 1977 auf den Markt kam war sie das Spiegelreflex-Flagschiff von Minolta und brachte die Firma in eine Liga mit Nikon und Canon. Leica, die damals dem Markt eher hinterherliefen, kooperierten ab 1972 sogar mit Minolta, weswegen die Leica R4 technisch auch auf der Minolta XD7 basierte. Die XD7 (in den USA XD-11 und in Japan schlicht XD genannt) war die erste Kamera überhaupt, die sowohl eine Zeit- als auch eine Blendenautomatik bot. Dazu gab es weitere Features wie den verschließbaren Sucher für Stativaufnahmen und Langzeitbelichtungen, eine Abblendtaste, Anzeige von gewählter Blende und Verschlusszeit sowie LED-Anzeigen zur korrekten Belichtung im Sucher (der zudem außergewöhnlich hell war). Kurz bevor die „Plastik-Ära“ anbrach hatten die Ingenieure von Minolta noch einmal den aktuellen Stand der Technik in ein stabiles, handliches Gehäuse verpflanzt. Nimmt man die Kamera heute in die Hand, glaubt man kaum, dass sie schon mehr als 35 Jahre alt ist. Nicht zuletzt aufgrund des aktuellen Retrotrends, aber auch wegen der damals absolut hochwertigen Verarbeitung wirkt sie immer noch modern. Ich würde sie nur zu gerne benutzen. Neue Batterien und einen Film habe ich schnell gekauft. Allein… es gibt keinen Strom. Da die alten Knopfzellen etwas korrodierten, leitet der Boden der Batterieklappe wohl den Strom nicht mehr so, wie er sollte (vermute ich zumindest). Sehr ägerlich. Es wäre wirklich zu schade, die Kamera nicht mal wieder in Gebrauch zu nehmen. Ich habe jetzt mal ein Kontaktspray im Netz bestellt und hoffe, dass sich damit das Problem beheben lässt.

Minolta XD7 (XD11)
Minolta XD7

Aber auch wenn ich nicht alle 3 Kameras benutzen werde, ist es doch schön zu sehen, wie diese drei „Familienerbstücke“ die Entwicklung der Kameratechnik über gut 30 Jahre und dazu noch ein bisschen Familiengeschichte erzählen.

2 Gedanken zu „Familienerbstücke

  1. Hallo Jan,

    da werden meine Augen wässrig. Da hast du ja unwahrscheinlich tolle schätze gefunden. Ich bin ja fast schon neidisch.

    Probier doch deine neuen Schätzchen einfach mal aus. Die Paxette kannst du schätzen (such bei Google einfach mal die sunny sixteen regel) und versuch dir damit zu helfen. Man muss bei einem Negativfilm auch die Belichtung nicht so genau treffen, da ist schon die eine oder andere Belichtungsstufe Toleranz dabei. Der Film kosten beim Drogeriemarkt ca. 1,50 € und die Entwicklung noch mal 2,50 €. Das Risiko ist also bezahlbar. http://www.slrlounge.com/photography-essentials-the-sunny-16-rule – ganz unten ist ein einfacher Sticker zu sehen.

    Für die Canonet gibt es weinzell Batterien als Ersatz, kosten zwar was aber zum Ausprobieren reicht es. Oder du nimmst die günstigen Hörgerätebatterien aus der Apotheke, ein bisserl Papier zum Ausfüllen und schon kann es losgehen.

    Die Minolta XD7 ist ein Traum, da solltest du dir einmal – mindestens das Auslösegeräusch anhören, satt und sanft gleichzeitig. Eine unwahrscheinlich tolle Kamera. da gehören übrigens zwei Batterien rein. ich drück dir die Daumen, dass sie noch funktioniert, denn die Minolta ist ein besonderes Schätzchen (die ich auch noch oft spazieren führe).

    Ich wünsch dir viel Spaß mit den Kameras.

    Viele Grüße Jürgen

  2. Danke für die Tipps! Die Minolta hat es mir auch spontan am meisten angetan. Das Auslösegeräusch ist wirklich toll! Habe auch sofort nach den Feiertagen zwei Batterien gekauft, aber… nix. Nach allem, was ich im Netz gelesen habe, könnte es in der Tat an der leichten Korrosion liegen. Irgendwie ist die Kamera da recht empfindlich. Hoffe, dass das Kontaktspray heute ankommt. Ansonsten muss ich weitersuchen, denn das Schätzchen möchte ich auf jeden Fall benutzen!

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