Mein Backup-System mit Synology NAS und Lightroom

DSM 5.0 auf Synology NAS

Mein Backup-System und Workflow sahen die letzten gut 20 Jahre so aus:

  • irgendwann mal die wichtigsten Daten auf ein externes Speichermedium kopieren
  • sechs bis zwölf Monate nichts machen
  • langsam Angst bekommen, dass was passieren könnte (aber trotzdem nichts machen)
  • bei Bluescreen oder ähnlichem Absturz riesigen Schock bekommen
  • hektisch Daten sichern
  • sechs bis zwölf Monate wieder nichts machen

 

Sprich: es gab weder ein System noch einen Workflow. Eigentlich nicht mal etwas, dass man ernsthaft Backup hätte nennen können. Glücklicherweise ging das irgendwie immer gut. Es gab zwar mal vereinzelt einen kleineren Datenverlust, aber nichts Ernsthaftes. Erfahrungsgemäß geht das jedoch nicht ewig gut. Nun bin ich kein Profifotograf, der schon aus Gründen seiner beruflichen Existenz auf ein zuverlässiges Backup angewiesen ist. Aber auch bei einem Rechner voll mit Fotos der eigenen Kinder bedeutet ein Datenverlust eine echte Katastrophe.

Cloud oder NAS?
Zeit also für ein „richtiges“ Backup. Die Anforderungen: möglichst aktuell sein, möglichst wenig Arbeit erfordern. Das Problem bei der Datensicherung ist ja oft, dass man schlicht zu faul ist, die Platte aus dem Schrank zu holen, anzuschließen und stundenlang laufen zu lassen. Ist zwar eigentlich kein großer Aufwand, aber so ist der Mensch nun mal (oder nur ich…?). Mein erster Gedanke war ein Backup in die Cloud. Hätte ja auch viele Vorteile: es läuft automatisch im Hintergrund und das Backup befindet sich physisch an einem anderen Ort, ist also auch bei Einbruch, Blitzschlag, Feuer oder Wasserschaden zu Hause sicher. Außerdem kann man auch von außen auf die Dateien zugreifen, um zum Beispiel von unterwegs mal Fotos herumzeigen zu können. Mein Test mit CrashPlan scheiterte jedoch kläglich. Die Upload-Geschwindigkeit war so langsam, dass das initiale Backup 2 Wochen gedauert hätte. Außerdem fanden sich im Netz diverse Erfahrungsberichte von Nutzern, die von einem völligen Datenverlust berichteten. Das ist dann natürlich ein absolutes No-Go.

Also ein lokales Backup. Aber mit Cloud-Charakter. Sprich: ein NAS musste her. Die Wahl fiel schnell auf Synology. QNAP soll zwar auch recht gut sein, aber die vielen Software Tools und die große Community wirkten bei Synology überzeugend. Seit einigen Wochen läuft also jetzt hier eine Synology DiskStation DS114 und es war definitiv die richtige Entscheidung.

DSM 5.0 auf Synology NAS
DSM 5.0 auf Synology NAS

Die technischen Daten spare ich mir, die kann jeder im Netz selber nachlesen. Das System (bei mir mit einer 3 Tb Platte) läuft aber auf jeden Fall absolut stabil, unkompliziert und bietet dazu noch einen Haufen netter Spielereien.

Mein Workflow
Mein Backup-Workflow sieht jetzt so aus:

  • alle eigenen Dokumente, RAW-Bilder und JPEGs liegen aus Performance-Gründen weiterhin auf dem PC
  • die Dokumente und Bilder werden über das Tool „Cloud Station“ automatisch im Hintergrund mit dem NAS synchronisiert (=Echtzeit-Backup)
  • der Lightroom-Katalog wird regelmäßig direkt auf das NAS gebackupt
  • die Musiksammlung wird zentral auf dem NAS gespeichert und verwaltet
  • zusätzlich mache ich alle paar Wochen (aber wirklich!) ein Backup vom NAS auf eine externe Festplatte. Die Backup Software dafür ist schon dabei. Einfach Platte per USB 3.0 anschließen, auf „Backup“ drücken, fertig. Da nur das Delta gesichert wird, geht das auch recht schnell. Die Platte kann ich dann zum Beispiel bei der Arbeit lagern, um alles auch physisch voneinander zu trennen.

 

Fotos und Musik auch mobil
Das ist natürlich nur (m)ein System. Ich sage nicht, dass es das einzige oder beste ist. Jeder hat da sicher seine eigenen Anforderungen. Für mich jedenfalls ist es ideal. Nicht zuletzt aufgrund der wirklich guten Benutzeroberfläche (ein modifiziertes Linux) und vielen Software-Spielereien. So gibt es zum Beispiel die „Photo Station“ („DS Photo“ auf mobilen Endgeräten), über die man auch mit iPhone, iPad oder anderen Rechnern über’s Internet auf die Fotosammlung zugreifen kann. Man kann auch einzelnen Nutzern Zugriff auf bestimmte Ordner erteilen und so Fotos „sharen“.

DS Photo+ auf iPad
DS Photo+ auf iPad

Supergut ist außerdem die „Music Station“ (bzw. „DS Audio“). Die kann nicht nur die Musiksammlung auf dem NAS über PC, Tablet oder Smartphone abspielen, sondern die MP3s auch per AirPlay oder DLNA streamen. Ich mache das zum Beispiel mit einem Denon AV-Receiver. Wenn man möchte, kann man so in verschiedenen Räumen unterschiedliche Musik laufen lassen. Oder überall die gleiche. Außerdem kann man auch von unterwegs darauf zugreifen und hat so quasi ein privates Spotify.

DS Audio auf iPad
DS Audio auf iPad

Dazu kommen Tools wie „Cloud Sync“ zur Synchronisierung des NAS mit Dropbox oder Google Drive oder ein Download-Client für Usenet und BitTorrent.

Und sonst?
Ein paar Nachteile gibt es natürlich auch. Die DS114 ist eher ein Einsteigermodell mit schwacher Ausstattung. Platz für eine zweite Platte (z.B. für ein RAID) gibt es nicht und die Geschwindigkeit ist auch eher so mittel. Manche Apps benötigen auch noch etwas Feinschliff. Außerdem ist die USB-3.0-Schnittstelle nicht abwärtskompatibel zu USB-2.0-Geräten (schon recht albern, für mich aber kein Problem). Und zumindest bei mir verhindert „Cloud Sync“ den Ruhezustand der Festplatten. Die Vorteile überwiegen aber deutlichst. Das Ding macht wirklich Spaß und vor allem schläft es sich mit einem solchen Backup deutlich entspannter.

Disclaimer: Das ist ein Erfahrungsbericht, Synology hat nix damit zu tun. Die Links zu Amazon sind Partnerlinks, bei einem Kauf bekommen wir ein paar Prozent ab. Der Preis ist dadurch aber um keinen Cent höher.

8 Gedanken zu „Mein Backup-System mit Synology NAS und Lightroom

  1. Ist schon witzig, über praktisch die gleiche Lösung denke ich auch gerade nach. Wobei ich gerne den Lightroom Katalog inkl. der Smart Vorschauen über Cloud Sync mit meinen iMac und dem MacBook abgleichen würde damit ich unterwegs meine Bilder in Lightroom zeigen und bearbeiten könnte. Kann “Photo Station” den auch RAW? Laut google geht das, wäre ein weiter Grund für mich 🙂

  2. Ein ähnlicher Artikel schlummert schon seit eingier Zeit in meinem WordPress Editor.
    Ich gehe aber noch einen Schritt weiter:
    – Alte Bilder liegen nicht mehr Lokal auf dem MacBook Air sondern auf einem „Lightroom“ Volume. Ich habe aber für alle Bilder SmartPreviews erstellt.
    – Meine Syno (213j) macht jeden Tag einen Backup auf eine lokale USB 2.0 HDD
    – Zusätzlich macht die Syno einen kontinuierlichen Backup zu CrashPlan
    – Einige meiner Clients nutzen die Syno als CrashPlan Server
    Somit sind alle Bilder entwender auf der lokalen SSD und der Syno + auf Crashplan. Am liebsten wäre mit noch ein Spiegelung auf eine kleine Syno die ich bei meinem Bruder installieren könnte. Das muss aber noch etwas warten… 😉

    Wenn ich meinen LR Katalog jetzt noch in einen CloudStation Ordner legen würde, dann könnte ich auch noch die (alten) Bilder von einem zweiten PC/Mac bearbeiten. Daber dafür habe ich keinen Bedarf.

    Cheers!

    oli

  3. Danke für die Ergänzungen. Die Smart Previews bieten natürlich noch mehr Möglichkeiten, gerade um die RAWs auch mobil nutzen zu können. Für mich ist das nur (momentan) nicht notwendig. Ob die die Photo Station RAWs kann, habe ich daher auch noch gar nicht probiert. Kann ich aber gerne mal machen.

  4. So der „kleine“ Synology ist bestellt (natürlich bei Amazon) Dein Bericht hat mich endgültig davon überzeugt einen NAS Server für meine Bilder und Lightroom anzuschaffen 🙂

  5. Freut mich. 🙂 Hab’s übrigens gerade noch ausprobiert: RAW-Bilder (zumindest .CR2 aus ’ner Canon) sind in der Photo Station in der Tat kein Problem.

  6. Hallo Jan,

    Hast du mal versucht den Lightroomkatalog von der Synology zurück zu spielen und waren dann auch noch alle Einstellungen vorhanden?

    Ich hab mal einen Katalog von der Synology zurück gespielt und alle Einstellungen zu den Fotos waren weg. Angeblich kann die Synology nicht immermit den Metadaten umgehen…

    Viele Grüße
    Simon

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