Warum Photoshop CC schon nach einem Tag geknackt wurde

Adobe Creatice Cloud

Vorgestern wurde Photoshop CC offiziell veröffentlicht, gestern erschien die erste sogenannte „Raubkopie“. Gerade in den US-Blogs scheint dies einige zu verwundern, dabei wäre es viel überraschender gewesen, wenn es länger gedauert hätte.

Denn seit gut 30 Jahren gibt es eine Subkultur von organisierten Kopierern, die sogenannte „Scene“. Deren Mitglieder kämpfen in Gruppen (den „Release Groups“) in einer Art sportlichem Wettstreit darum, welche Group eine neue Software als erste knackt und als Schwarzkopie verbreitet („Release“). Das gibt dann entsprechenden Ruhm in der Szene. Alles was nach dem Release kommt, Torrents, illegale Download-Seiten und ähnliches hat mit der eigentlichen Szene übrigens kaum etwas zu tun. Die Release Groups erstellen die Kopien aus sportlichem Ehrgeiz. Und weil sie es können.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass auch das neue Photoshop CC bereits einen Tag nach der Veröffentlichung als Schwarzkopie im Netz stand. Es gibt schlicht keinen Kopierschutz, der nicht geknackt werden kann. Dies liegt in der Natur der Sachen: Gäbe es den perfekten Schutz müssten Daten so aufgebaut sein, daß ein Computer sie nicht lesen kann. Daten, die auf diese Weise geschützt werden, könnten auch nicht manipuliert werden. Das klingt simpel und effizient, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Die Daten wären komplett unbrauchbar, da kein Computer sie lesen und somit auch nicht verarbeiten könnte. Der perfekte Kopierschutz wäre nutzlos für alle Beteiligten. Daten müssen zwangsläufig kopierbar sein, um verarbeitet werden zu können. Da jede Software letzten Endes aus computerlesbaren Daten besteht, kann sie auch verändert werden.

Die Scene gibt es seit 3 Jahrzehnten und ihr gehören die wohl einige der weltweit besten Kopierschutz-Experten an. Bislang hat es noch keinen Software-Kopierschutz gegeben, der nicht geknackt werden konnte und es ist sehr unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit dazu kommen wird.

Wie negativ das in diesem Fall für Adobe ist, ist durchaus fraglich. Einerseits gehen Ihnen durch das Kopieren verrmutlich Käufe verloren. Andererseits wird Photoshop in einem Preissegment angeboten, das gerade für jüngere Nutzer schlicht nicht bezahlbar ist. Eine Schwarzkopie kann dann schon deshalb keinen Schaden verursachen, weil Adobe dadurch kein Kauf entgeht. Gerade die jungen Nutzer sind aber wichtig für Adobe. Wer bereits als Schüler mit Photoshop arbeitet und zum Experten darin wird, wird sehr wahrscheinlich auch später kein anderes Programm mehr benutzen. Wenn er aber zum Beispiel zum Fotografen wird, dann die finanziellen Mittel hat und gerne seine Software legal nutzen würde, dann wird er Photoshop auch kaufen. Dies hätte er aber nicht getan, wenn er Photoshop nicht bereits als Schüler (illegal) genutzt hätte. Zumindest scheint es Adobe auch als einer der angebliche „meistkopierten“ Softwarehersteller nicht ganz schlecht zu gehen. Damit will ich nicht sagen, dass Schwarzkopien grundsätzlich „gut“ sind. Aber es gibt eben immer mehr als eine Betrachtungsweise.

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