Warum Smartphones der Tod der Kompaktkameras sind

Smartphones Tod Kompaktkameras

Erinnert sich noch jemand an MP3-Player? Diese kleinen Geräte, die nichts konnten außer Musik abspielen, und die heute praktisch durch Smartphones ersetzt worden sind. Vieles spricht dafür, dass Kompaktkameras das nächste „Opfer“ der Smartphones sein werden.  Dass Bilder aus Handykameras heute schon eine Qualität erreichen, die auch professionellen Ansprüche genügen können, beweisen Beispiele wie der Kevin Russ oder der Kriegsberichterstatter Ben Lowy, die wir ja auch hier auf picstah schon vorgestellt haben. Wird dadurch aber tatsächlich das komplette Segment der Kompaktknipsen aussterben? Was spricht wirklich für und gegen den Tod der Kompaktkameras?

Pro

  • das Wichtigste: man möchte so wenig Geräte wie möglich mit sich herumtragen. MP3-Player, Handy, Internet, Taschenrechner, Wecker – alles soll in ein Gerät. Diese Bequemlichkeit ist ein mächtiger Antrieb. Und nicht zu Unrecht heißt es: die beste Kamera ist die, die man dabeihat. Eigentlich sogar: die man griffbereit hat. Was bringt einem die beste DSLR, wenn sie zu Hause liegt oder man sie mühsam aus der Kameratasche holen muss? Sein Mobiltelefon hat man aber immer dabei und immer zur Hand. Nicht umsonst lautet bereits heute die Rangliste der meistverwendeten Kameras auf Flickr: iPhone 4S / iPhone 4 / Canon EOS 5D Mark II / iPhone 5 / Canon EOS 7D (in dieser Reihenfolge).
  • Punkt 2 ergibt sich aus Punkt 1 und ist nicht weniger wichtig. Ein Smartphone mit Kamera ermöglicht einen nahtlosen Übergang vom Erstellen des Fotos zum Teilen und Veröffentlichen. Das ist ein mächtiges Feature, denn Fotos sind mittlerweile der wichtigste Bestandteil der Social Networks und größter Wachstumstreiber in diesem Bereich. Nur wenn man eine Internetverbindung und die entsprechenden Apps hat, kann man direkt nach dem Fotografieren die Bilder bearbeiten und sofort auf Facebook, Twitter, Instagram, sein Blog, tumblr, Flickr oder sonstwohin stellen.
  • Überhaupt Apps: gerade die Verfügbarkeit aller wichtigen Filter- und Retro-Apps ist wohl zwingende Bedingung für die Kamera von „morgen“ (oder schon „heute“) und kein Gerät erfüllt das besser als ein Smartphone.

 

Contra

  • Bildqualität/Lichtstärke: noch sind die meisten Kompaktkameras etwas besser als die meisten Smartphones. Noch. Denn verglichen mit DSLRs sind auch die Knipsen limitiert und die Handys holen rasant auf.
  • Blitz: wer mal im Dunkeln ein paar Partyfotos gemacht hat, kennt das. Die bei Smartphones meist noch üblichen LED-Blitze machen wohl so ziemlich jedes Foto kaputt. Der Blitz in einer Knipse ist zwar auch nicht schön, macht aber zumindest einigermaßen brauchbare Bilder.
  • Zoom: aktuell noch das große Manko der Smartphones. Ein Digitalzoom ist nun einmal kein echter Zoom. Was aber, wenn die Technik weiter voranschreitet und einen Zoom auch auf weniger Platz ermöglicht? Samsung und Polaroid haben schon bewiesen, dass es geht und lassen vermuten, dass dies schon bald Standard sein könnte. Durchaus vorstellbar auch, dass der Trend vom ultradünnen Handy wieder zu etwas mehr Volumen geht, wenn man dafür entsprechend mehr Zoom erhält. Vor allem aber zeigen ja schon die aktuellen Nutzungszahlen, dass Zoom nicht entscheidend ist. Schlägt im Zweifel Bequemlichkeit Brennweite?
  • Mehr Einstellmöglichkeiten: je nach Modell können bei den Kameras die Parameter wie Blende, ISO und Belichtungszeit individuell eingestellt werden. Bei den Smartphones beschränkt sich die Bedienung zumeist auf point-and-shoot.

 

Smartphones Tod Kompaktkameras
Urheber: Das Fotoimaginarium /Thomas Szynkiewicz, Flickr, Lizenz: CC BY 2.0

 

Auf den ersten Blick sprechen sowohl Punkte für die Smartphones als auch für die Kameras. Nur: die Nachteile der Smartphones sind rein technisch bedingt. Die Handys müssen einfach nur noch ein bisschen besser werden. Betrachtet man die Entwicklungen der letzten Jahren und die Millionen-Investitionen der Hersteller, kann man nicht wirklich daran zweifeln, dass Sensoren, Licht- und ISO-Stärke immer besser werden. Das Nokia 808 PureView oder die „Ultrapixel“-Technologie des neuen HTC-Smartphones zeigen erste Ansätze. Auch manuelle Enstellmöglichkeiten ließen sich recht problemlos hinzufügen.

Bei Kompaktkameras hingegen sind die Nachteile konzeptioneller Natur. Sie sind eben Kameras und keine Internet-Telefone. Erste Modelle wie das Nikon Coolpix S800c oder die Samsung Galaxy Camera mit Android-Betriebssystem bringen zwar schon das Internet in die Knipse. Aber telefonieren lässt sich damit trotzdem noch nicht. Und wenn das auch noch kommt? Dann werden die Kameras zu Smartphones. Und die Kompaktkameras sterben eben auf diese Art aus. Das würde man allerdings weniger Canon oder Nikon zutrauen, als vielmehr Sony und Samsung.

Die Kamerahersteller stürzen sich indessen auf die spiegellosen Kameras, die jene Kunden ansprechen sollen, denen eine DSLR zu groß, unhandlich oder kompliziert ist. Das dürften fraglos viele sein, so lag 2012 der Anteil der Spiegelreflex-Kameras am weltweiten Kamera-Absatz bei gerade einmal gut 10%. Da könnten sich die neuen Spiegellosen durchaus für die Hersteller lohnen, sind doch diese Geräte auch nicht unbedingt günstig und versprechen ebenfalls ordentliche Umsätze. Den Tod der Kompatkkameras wird dies jedoch auch nicht aufhalten. Denn die große Anzahl an Kunden in diesem Bereich will eine einfache, günstige Knipse. Lichtstärke, ISO, Autofokus – alles gar nicht entscheidend. Die Kamera soll handlich sein, ordentliche Bilder machen und allerhöchstens 300€ kosten. Warum sollte man aber Geld dafür ausgeben, wenn das Handy diese Anforderungen schon erfüllt, noch viel mehr Funktionen bietet, und dabei kaum teurer ist? Es gibt schlicht keinen Grund.

In 5 Jahren werden Kompaktknipsen langsam exotisch und in 10 Jahren ausgestorben sein. Vielleicht werden nicht nur die Smartphones zu Kameras, sondern auch manche Kameras zu Smartphones werden. Eines ist aber sicher: die Zeit der kleinen Knipsen, die lediglich Fotos und Videos können, ist endgültig vorbei.

5 Gedanken zu „Warum Smartphones der Tod der Kompaktkameras sind

  1. Wenn auch vergleichsweise unbeachtet, hat das Nokia 808 Pureview mit seinen 42 Megapixeln Rohauflösung und voller Lichtstärke bis zur Teleeinstellung bereits einen Status erreicht, der vieles andere obsolet macht. Andererseits muss man auch sehen, dass die Kompaktkamerahersteller zum Glück nicht schlafen. Mittlerweile gibt es ja bekanntlich sogar einen Vollformatsensor im kompakten Gehäuse, wenn ihn bezahlen kann und will 😉

    Aber ganz klar, da laufen massive Verschiebungen ab. Nur: Wann ist das Smartphone ‚fällig‘ und was kommt danach?

  2. Hi,
    das liest sich gut und ist durchaus schlüssig. Ich selbst hatte nie eine Kompakt- oder Spiegelreflexkamera weil’s einfach auch etwas Einarbeitung braucht. Und dann schleppt man immer diese Tasche mit rum. Mit Android-Smartphone und jetzt iPhone lassen sich auch gute Bilder machen, einfach und eben schnell.
    Ein Pluspunkt der mir noch einfällt ist die Möglichkeit diverse Apps zum „realen“ Versand zu nutzen. Wir selbst haben auch eine Postkarten App entwickelt. Damit kann man auch, per Augmented Reality Technologie, ein Video mitschicken. Somit kann man seinen tollsten Urlaubs-/Reise-/WasAuchImmer-Schnappschuss direkt nach Hause oder zu Freunden schicken und hat noch die persönliche Videobotschaft dabei. Du hast ja schon von Apps zur Bearbeitung usw. gesprochen, ich denke da gibts aber eben noch mehr 😉
    Beste Grüße, Rainer

  3. Tja, „wann ist das Smartphone ‚fällig‘ und was kommt danach?“ Wenn man das immer so genau wüsste. Wahrscheinlich kommt erst die Datenbrille und dann das gedankengesteuerte Implantat. Man sieht etwas, denkt „Foto machen“ und schon ist das Bild gespeichert. 🙂

  4. Also ich glaube nicht, dass ein Smartphone eine Kompaktkamera so schnell ersetzten wird! An die Qualität einer guten Kompakten wie zB einer Panasonic Lumix TZ mit Leica Objektiv kommt noch laaaaange kein Smartphone ran! außerdem müssten Smartphones dann wieder weniger Kompakt werden, sollten zB Objektive mit echtem optischen Zoom verbaut werden etc,

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