Welches Objektiv für meine Spiegelreflex? Tipps für Einsteiger.

Canon EF 50mm f 1:1.8 II Objektiv

[Update: 30.06.2015]

Es ist wohl eine der häufigsten Technik-Fragen aller Einsteiger in die Spiegelreflex-Fotografie: Welches Objektiv brauche ich? Und reicht eines oder brauche ich mehrere? Da es noch nicht allzu lange her ist, dass ich meine Kamera angeschafft habe, kann ich mich noch gut an das viele Hin- und Herüberlegen erinnern. Daher möchte ich meine Überlegungen und Erfahrungen einfach mal teilen. Was kann und sollte man sich als Anfänger „leisten“?

Eines vorweg: eigentlich ist die Frage natürlich gar nicht so wichtig. Wohl alle aktuell gängigen DSLR-Objektive sind so gut, dass man damit sehr gute bis hervorragende Bilder hinbekommt. Bildaufbau, Licht, und ein Auge für Situationen und Geschichten sind vermutlich wichtiger als jede Technik. Genau genommen braucht man ja nicht einmal eine Spiegelreflex oder ein gutes Objektiv. Genügend Fotografen beweisen, dass man großartige Fotos auch mit seinem iPhone oder mit einer 2-Megapixel-Spielzeug-Kamera im Buzz-Lightyear-Design machen kann. Nur hilft diese Erkenntnis wenig, wenn man wissen möchte, was man sich jetzt kaufen soll. Was also tun?

Die Basics
Zunächst einmal gilt es, 2 wichtige Objektivarten zu unterscheiden.

    1. Zoom-Objektive
      Zoom-Objektive haben den Vorteil, dass man mit Ihnen für viele verschiedene Situationen gerüstet ist. Es gibt sie als „Standard-Zoom“, zum Beispiel im Bereich 18-55mm, ausreichend für weitwinklige Landschaftsaufnahmen bis leichte Detailaufnahmen. Es gibt Teleobjektive, z.B. 70-300mm für alles was etwas weiter entfernt ist, zum Beispiel Sportaufnahmen. Und es gibt Superzooms, die den kompletten Bereich vom Weitwinkel bis Tele abdecken, zum Beispiel 18-250mm.
    2. Festbrennweiten
      Festbrennweiten haben, wie der Name erahnen lässt, nur eine Brennweiteneinstellung („Zoomstufe)“. Nämlich die, die draufsteht. Das können 35mm, 50mm, 85mm oder irgendwas anderes sein. Gezoomt werden kann also nicht. Oder eben „mit den Füßen“.

 

Canon EF 50mm f 1:1.8 II Objektiv
Urheber: justusbluemer, Flickr, Lizenz: CC BY 2.0

Jetzt könnte man sagen: Klingt ja einfach, ein „Superzoom“ kann alles, damit kann man ja gar nichts falsch machen! Nicht ganz. Wenn es so einfach wäre, gäbe es wohl auf dem Markt kaum etwas anderes (und gute Festbrennweiten wären nicht so extrem viel teurer als die „Superzooms“). Objektive sind nicht ganz einfach zu bauen und es ergeben sich folgende „Grundregeln“ (etwas verallgemeinert, aber im Groben stimmt’s):

  • je größer der Brennweitenbereich, umso schwächer ist das Objektiv über alle Bereiche hinweg (= eher unschärfere Bilder)
  • je kleiner der Brennweitenbereich, umso stärker ist das Objektiv (= schärfere Bilder)
  • je größer der Brennweitenbereich, umso lichtstärker ist das Objektiv
  • je kleiner der Brennweitenbereich, umso lichtschwächer ist das Objektiv

 

Gerade die Lichtstärke ist aber neben der Abbildungsleistung (Schärfe) nun gerade auch für Einsteiger interessant. Die Lichtstärke bezeichnet nämlich, wie groß die größte Blendeneinstellung ist, die das Objektiv erlaubt. Und das ist wiederum wichtig für die schöne Unschärfe, die viele Spiegelreflex-Bilder im Hintergrund so auszeichnen. Zumindest für mich mit damals genau null Ahnung von Fotografie war das mit der Ausschlag gebende Grund, von einer „Knipse“ zu einer Spiegelreflex zu wechseln. Ich wollte auch so eine Hintergrund-Unschärfe!

Mehr Licht gleich weniger scharf
Wie ich mittlerweile weiß, ist dafür eben vor allem die Blende verantwortlich. Je weiter sie geöffnet ist, umso geringer ist der Schärfebereich, umso unschärfer ist der Hintergrund. Da bei der Blende die Zahlen kleiner werden, je weiter die Blende geöffnet ist (klingt verwirrend, hat aber Gründe), braucht man also eine Blende von zum Beispiel f1.8. Und jetzt kommt der Haken bei den Zoom-Objektiven: es ist in der Herstellung aufwändig genug, einen großen Brennweitenbereich abzudecken. Für eine große Lichtstärke bleibt da im „normalen“ Preissegment kaum noch Spielraum. Daher hat ein typisches Standard-Zoom, zum Beispiel ein 18-55mm von Canon (bei Nikon genauso), eine Offenblende (=weitestmögliche Blendenöffnung) von 3,5 bei 18mm und sogar nur noch von 5,6 bei 55mm.

Gerade solche eher lichtschwachen Zoom-Objektive sind aber meistens die so genannten „Kit-Objektive“, als die Linsen, die im Paket mit dem reinen Kamera-Gehäuse verkauft werden. Aus Herstellersicht logisch: ein Käufer, der vorher eine „Knipse“ hatte, will kein nacktes Gehäuse. Also packt man ein günstiges Objektiv dazu, das den Preis nicht allzu sehr hebt und fertig ist das „Kit“. Für den Spiegelreflex-Einsteiger kann das aber in der Praxis durchaus enttäuschend sein, wenn sich die ersehnte Unschärfe einfach nicht einstellen will. Noch dazu muss bei nicht so optimalen Lichtverhältnissen mit längeren Belichtungszeiten ausgeglichen werden, was einen wiederum einschränkt.

Bei mir war es auch so: da ich beim Kauf der Kamera noch gar nicht wusste, was ich wann und wie fotografieren und benötigen würde, nahm ich einfach das Kit-Objektiv (das oben beschriebene 18-55mm von Canon). Zum Lernen der Basics und für die ersten Bilder war das auch vollkommen Ok. Das richtige Aha-Erlebnis stellte sich aber erst ein, als ich die 50mm-Festbrennweite dazukaufte. Endlich sahen Portraits so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte! Endlich konnte ich durch die Blendeneinstellung selber entscheiden, was scharf war und was nicht und musste das nicht mehr der Kamera überlassen! Der Spaß am Fotografieren hat sich allein durch dieses Objektiv mindestens verdoppelt. Und das beste ist: ein Objektiv mit 50mm und einer Offenblende von 1,8 ist nicht einmal teuer, sondern schon je nach Kameratyp (zum Beispiel für Nikon oder Canon) für um die 120 Euro zu bekommen. Und die lohnen sich wirklich. Natürlich sind die Objektive meist nicht allzu hochwertig verarbeitet, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Die vielen Spitznamen für das 50mm 1.8 von Canon sagen eigentlich alles: Nifty Fifty, Joghurtbecher, Plastic Fantastic. Aber: seit Mai 2015 ist von Canon der Nachfolger des legendären 50mm-Objektivs auf dem Markt! Und dieses neue Canon EF 50mm 1.8 STM ist nun sogar ordentlich verarbeitet und zeigt in Tests dabei sogar noch eine bessere Schärfe und einen schnelleren Autofokus. Dafür ist der (immer noch sehr gute Vorgänger) jetzt gebraucht schon ab 60€ zu haben. Eigentlich sollte genau so ein Objektiv das Kit-Objektiv sein, aber die Hersteller haben natürlich Angst, die ganzen „bequemen“ Kunden zu verprellen, die dann nicht mehr Zoomen können. Und klar: gerade für Landschaftsaufnahmen muss es auch mal ein Weitwinkel sein.

Ja was denn nun? Die Preisfrage.
Die persönliche Entscheidung, welches Objektiv man sich anschafft, wird natürlich maßgeblich durch den Preis bestimmt. Nach oben ist da alles offen. Im Fall von Canon gibt es zum Beispiel das 50mm auch noch lichtstärker (f1.4 für 300€) und noch noch lichtstärker (f1.2 für 1.400€). Und es gibt auch Zoom-Objektive, die trotzdem sehr lichtstark sind (z.B. ein 24-70mm 2,8 für 1.900€). Aber das liegt in der Regel außerhalb jedes Einstiger-Budgets. Daher folgende Tipps für die richtige Objektivwahl zur ersten Spiegelreflex:

  • Kleines Budget: Festbrennweite (50mm, 1.8, 120 EUR). Klar, man kann nicht Zoomen, aber die größere Blende macht SO viel mehr Spaß als die größere Brennweite. Außerdem lernt man mehr. Und Bewegung ist ja auch gesund.
  • Mittelkleines Budget: Kit-Objektiv + Festbrennweite (50mm, 1.8, 100 EUR). Lieber durch Wahl des kleineren Kit-Objektivs mit weniger Zoom ein bisschen Geld sparen als durch den Verzicht auf die Festbrennweite. Es lohnt sich. Das Kit-Objektiv kann man dann später noch ersetzen.
  • Mittelgroßes Budget: lichtstärkeres Zoom-Objektiv im mittleren Preisbereich (z.B. 17-50mm, 2.8, von Tamron und Sigma für ca. 300 bis 400 EUR) + Festbrennweite (50mm, 1.8, 100 EUR).

 

Fazit/Empfehlung
Je nach Vorliebe und Geldvorräten kann man natürlic jederzeit beliebig nachrüsten mit einem Tele, einer noch lichtstärkeren Festbrennweite oder oder oder. Aus meiner Sicht aber macht für den Anfang eine der 3 genannten Kombinationen am meisten Sinn. Hier die Amazon-Links zu den angesprochenen Objektiven:

Canon:
Canon 50mm 1.8 STM
Canon 50mm 1.8 II (der Vorgänger des STM – schon ab 60€ gebraucht bei eBay)
Tamron 17-50mm 2.8 für Canon (ohne Bildstabilisator)
Tamron 17-50mm 2.8 für Canon (mit Bildstabilisator)

Nikon:
Nikon 50mm 1.8
Tamron 17-50mm 2.8 für Nikon  (ohne Bildstabilisator)
Tamron 17-50mm 2.8 für Nikon  (mit Bildstabilisator)

(Amazon Partnerlinks, bei einem Kauf bekommen wir ein paar Prozent ab. Der Preis ist dadurch aber um keinen Cent höher!)

13 Gedanken zu „Welches Objektiv für meine Spiegelreflex? Tipps für Einsteiger.

  1. Ich habe mir vor kurzem die Canon EOS 600D gekauft und bin super zufrieden damit. Dabei habe ich das Gehäuse alleine und 2 seperate Objektive gekauft. Ein Superzoom und ein Weitwinkel von Tamron. Denn das orginal mitgelieferte Objektiv ist qualitativ nicht besonders hochwertig…

  2. Sehr schöner Artikel!
    Tendiere wohl im Moment zu einer Eos 70D mit der als zweites beschrieben Objektivariante.
    Macht es Sinn das Kit objektiv mit 18-135mm zum Anfang zu nehmen, oder treten dort noch viel mehr Unschärfer auf?

  3. Super Einsteigerhilfe. Das ist genau was ich erhofft habe zu hören. Es geht so viel hier herum im Internet das man statt schlauer zu werden den Überblick verliert und nach mühseligem herumkramen dann irgendwann total verunsichert ist. Ich war auf der Suche nach einem „Makro-tele-Weitwinkelobjektiv das extrem Lichstark ist“. Wie sich jetzt jeder denkt :“Anfänger“. Und ja, das bin ich. Dieser Artikel hat mir sehr weitergeholfen und das nicht nur weil er super verständlich geschrieben ist sondern auch weil mir dort jemand sagt: Das solltest du zum Einsteigen haben. Vielen Dank!

  4. Dickes Merci für die schöne Zusammenfassung. Endlich mal ein Artikel der wirklich hilft 🙂 Ich werde wohl jetzt auch nur einen Body kaufen und dazu dann direkt passende Objektive.

    1. hola .. para este tema de insumos de acampe pueden visitar la pagina autostop argentina .com ..alli muchos foreros aficionados al viaje de mochileros han testeado todas las marcas y modelos de bolñasas de dormir y carpas y otros accesorios ..npimlemeste busquen en el buscador del foro sobre sus dudas

    2. Pois é, porque é que não podemos criar a nossa própria Agência de rating? :)) Era giro e criava postos de trabalho, mais postos de trabalho, mais receitas para o Estado.Depois, para termos alguma vantagem competitiva, em vez de fazermos o que elas fazem, a nossa agência de rating fazia o rating das agências de rating.

  5. Hi Jan, vielen Dank für diesen sehr erfrischend geschriebenen Artikel, der mir auch einige technischen Aspekte noch einmal sehr einfach näher gebracht hat! Ich habe mir vor ein paar Monaten eine 70 d gekauft und bisher mehr oder weniger nur ein paar Reisefotos damit gemacht. Ich hoffe, dass sich das jedoch bald ändert und ich auch mal sowas tolles hinkriege, wie deine Arbeiten, besonders die in schwarz-weiß!

    Weiter so und danke für die Inspiration 🙂

    Liebe Grüße

    Florian

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